Redaktion der pilger

Mittwoch, 04. Oktober 2023

Dem Ruf des Herzens folgen

Fotos: Privat

Mit 20 Jahren den weiteren Weg klar vor sich zu sehen, das ist längst nicht allen gegeben. Doch Julian Pfister weiß genau, was er will: Er folgt seiner Berufung und setzt alles daran, Pastoralreferent zu werden.

Mitte September hat für ihn ein neuer Abschnitt begonnen. Julian Pfister hat zum ersten Mal das heimische Nest in Wachenheim verlassen, um in Freiburg während des Orientierungsjahrs des Erzbistums Freiburg Hebräisch und Griechisch zu lernen. Es ist der erste wichtige Schritt dem beruflichen Ziel entgegen. Die Wurzeln dazu wurden im Elternhaus gelegt. „Ich bin von zuhause christlich geprägt, dazu haben auch meine Großmutter beigetragen und später die Jugendfreizeiten der Berufungspastoral unseres Bistums. Da habe ich viele Reisen mitgemacht, 2018 die Rom-Wallfahrt, ein Jahr später waren wir über Pfingsten in Salzburg und 2022 in Assisi. Außerdem war ich dreimal in Taizé“, zählt der 20-Jährige auf, „und natürlich auf dem diesjährigen Weltjugendtag in Lissabon. Dort mit eineinhalb Millionen Menschen aus aller Herren Länder auf dem Platz zu stehen und Weltkirche zu erleben, war großartig und hat mich total froh gemacht. Es war ein riesiges Glaubensfest, das mich darin bestärkt hat, dass es mit der Kirche nicht nur bergab geht, sondern noch viel drinsteckt.“ Er wolle der Papst-Botschaft folgen, ohne Angst hinauszugehen und vom Evangelium zu erzählen. Seine Generation sei gefragt, sich für Frieden und Gerechtigkeit einzusetzen, so Julian Pfister.

Nach dem Abitur in diesem Jahr stand für ihn fest, dass er in einer Pfarrei ein Praktikum absolvieren möchte, um seine Berufung zu überprüfen. „Es war gar nicht so einfach, einen Platz zu bekommen, aber durch Vermittlung hat es schließlich geklappt, und ich konnte nach Ostern in der Pfarrei Heilige Theresia von Avila in Neustadt anfangen.“ Drei Monate lang hatte der Wachenheimer die Möglichkeit, Einblicke in die pastorale Arbeit zu bekommen und ein bisschen den Ernstfall zu proben. „Mich hat interessiert, wie sich der Tag gestaltet, welche Aufgaben anfallen. Vor allem habe ich das Pastoralteam begleitet bei seiner Arbeit, sodass von Beerdigungen bis Taufen alles dabei war. Wobei mir die Begräbnisse schon etwas an die Nieren gegangen sind, als junger Mensch hat man mit dem Tod ja wenig bis gar nichts zu tun. Andererseits gab es ein Fest für alle Generationen, bei dem ich mithelfen und eine Gemeinschaft erleben konnte, wie ich sie mir wünsche.“

Darüber hinaus durfte sich Julian Pfister auch mit eigenen Ideen einbringen, wie etwa mit der Gottes-Bar. „Sie sollte den Menschen nach dem Gottesdienst die Gelegenheit geben, bei kleinen Snacks und Getränken miteinander und auch mit mir ins Gespräch zu kommen, über Gott und die Welt. Das ist doch viel schöner, als wenn alle gleich auseinanderlaufen und jeder seiner Wege geht.“ Mit der Gottes-Bar hatte der Praktikant ins Schwarze getroffen. „Sie ist super angekommen.“ Auch ein weiteres Angebot namens Licht-Schöpfung geht auf sein Konto. Grundlage sei die Schöpfungsgeschichte gewesen, die er mit Geräuschen, zum Beispiel von Walen und Flüssen, sowie mit Licht-
installationen unterlegt hatte. „Damit wollte ich alle Sinne ansprechen, damit nicht das Wort allein im Vordergrund steht, denn die Schöpfungsgeschichte kennen ja alle bereits.“

Dass er auch erstmals in die Homiletik (Predigtlehre) schnuppern konnte, sei eine gute Erfahrung gewesen. „Ich durfte eine eigene Predigt ausarbeiten, wobei ich Alltägliches mit dem Evangelium verknüpft und sie in einem Wortgottesdienst im Altenheim gehalten habe. Vor den Leuten zu stehen und frei zu sprechen, war schon ziemlich aufregend“, erzählt Julian Pfister. Das Praktikum habe ihm viel gegeben. Gerade auch die Begegnung mit Menschen, die im Anschluss an einen Gottesdienst oder eine Taufe, ihre Sorgen und Probleme offenbart haben. „Ich war zwar nur begleitend und als Zuhörer beim Pastoralteam dabei, konnte aber manchmal auch einen Tipp geben. Was ich da erlebt habe, war echte Seelsorge.“ All die Erfahrungen, die er in den drei Monaten machen konnte, haben ihn bestärkt, seiner Berufung zu folgen. Hat er nie mit dem Gedanken gespielt, Pfarrer zu werden? Die Antwort kommt prompt. „Nein, ich sehe mich als Familienvater. Ich kann schlecht alleine sein, brauche Menschen um mich herum. Das lässt sich mit dem Zölibat nicht vereinbaren. Trotzdem möchte ich Teil der Kirche sein, das kann ich als Pastoralreferent.“

Nun ist er in Freiburg. „Ich wollte in eine lebendige Stadt mit Studenten, hier bin ich genau richtig.“ Im Rahmen des Orientierungsjahrs drückt er mit weiteren sechs Teilnehmern wieder die Schulbank – zumindest im ersten Halbjahr, in dem Griechisch- und Hebräisch-Unterricht auf dem Plan steht und Einblicke in Theologie vermittelt werden. Im zweiten Halbjahr stehe es frei, ein Freiwilliges Soziales Jahr zu absolvieren oder mit dem Theologie-Studium zu beginnen, so Pfister. Aber das Orientierungsjahr bietet noch mehr. „Ich habe ein großes Zimmer in einer Sechser-WG in einem Gästehaus, das von der katholischen Kirche betrieben wird. Wir bekommen Vollpension und dürfen eine Sportart wählen. Ich habe mich für Badminton entschieden, weil ich das kenne. Außerdem lerne ich Gitarrespielen.“

Auf eigenen Füßen zu stehen, ist eine neue Erfahrung. „Dass ich jetzt alles selber machen muss und mich niemand mehr an irgendetwas erinnert, daran muss ich mich noch gewöhnen. Andererseits hat es auch seine Vorteile, selbst zu entscheiden, was man wann tut.“ Julian Pfister genießt die neue Freiheit, fühlt sich rundum wohl und am richtigen Platz. „Meine Mitbewohner sind sehr nett, nach und nach lernen wir uns kennen. Wir haben schon bis spät in die Nacht zusammengesessen und über theologische Fragen geredet. Das ist echt spannend.“ Manche seien sich noch nicht sicher, was sie nach dem Orientierungsjahr machen wollen. Julian Pfister weiß es genau: „Ich werde wohl im Sommersemester 2024 hier in Freiburg mit dem Theologiestudium beginnen. Das dauert fünf Jahre, dann schließen sich noch zwei Jahre Ausbildung zum Pastoralreferent an. Die würde ich gern im Bistum Speyer machen. Es sei denn, es ergibt sich etwas anderes.“ (Friederike Jung)

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