Demenzstrategie Rheinland-Pfalz 2025-2030
Zusammenhalten, wenn das Vergessen beginnt...
Einführung
Der Mensch im Mittelpunkt
In der rheinland-pfälzischen Politik für die ältere Generation – ebenso wie in der rheinland-pfälzischen Demenzstrategie - steht der Mensch im Mittelpunkt. Bei der Gestaltung von Strukturen im sozialen Raum denken wir vom Menschen aus - seine Potentiale und Bedarfe bilden den Ausgangspunkt der Überlegungen. Wir fördern eine offene, vorurteilsfreie Gesellschaft, in der Andersartigkeit als Bereicherung wahrgenommen wird und Selbstbestimmung sowie Teilhabe selbstverständlich sind. Wir gestalten einen achtsamen Umgang miteinander, der von Empathie, Wertschätzung und gegenseitiger Unterstützung geprägt ist.
Zusammenhalten, wenn das Vergessen beginnt...
Demenz ist kein Grund für Ausgrenzung, sondern Anlass, um in Dialog zu treten und voneinander zu lernen. Wir wahren die Würde der Person und pflegen einen wertschätzenden Umgang mit Betroffenen und ihren Angehörigen. Wir arbeiten auf Augenhöhe und nutzen Methoden der Partizipation. Betroffene und Angehörige sind als Expertinnen und Experten in eigener Sache beteiligt, ihre Stimme wird gehört. Wir aktivieren die Stärken der Region und organisieren die Unterstützung dort, wo sie erforderlich ist.
Anhand der Demenzstrategie Rheinland-Pfalz stellen wir uns den gesellschaftlichen, gesundheits- und pflegepolitischen Herausforderungen der kommenden Jahre.
Zielgruppen
Demenz verändert die geistigen Fähigkeiten mit schwerwiegenden Folgen - sowohl für das Leben der Betroffenen wie auch für das Leben ihrer An- und Zugehörigen. Zielgruppen unserer Demenzstrategie sind die Menschen mit Demenz, ihre An- und Zugehörigen sowie die Akteurinnen und Akteure im Versorgungspfad bezogen auf Rheinland-Pfalz.
Leitmotiv
Handlungsleitend ist das Motiv für Lebensqualität der Betroffenen sowie deren An- und Zugehörigen zu sorgen und sie bestmöglich zu erhalten, dazu gehören
- eine aufgeklärte Gesellschaft,
- ein angstfreier Umgang mit Betroffenen,
- kultursensibler Umgang mit besonderen Lebenslagen,
- niedrigschwelliger Einstieg in den Versorgungspfad,
- Bekanntheit der rheinland-pfälzischen Beratungsstrukturen,
- frühe Diagnostik,
- funktionierende Schnittstellen innerhalb des Versorgungspfads,
- Zugang zu den derzeit möglichen Therapien,
- langfristige Stabilisierung der häuslichen Versorgung,
- Stärkung der Selbstfürsorge von pflegenden Angehörigen,
- Coaching der Betroffenen und Angehörigen für die neue Lebenslage,
- psychosoziale Begleitung,
- Ausbau sozialraumorientierter Versorgungsstrukturen,
- aufsuchende Hilfen,
- Modellprojekte für personenzentrierte, ganzheitliche Versorgung, sowohl ambulant als auch stationär,
- Ausbau der neuen Wohnformen,
- Unterstützung wissenschaftlicher Forschung,
- ressortübergreifende Zusammenarbeit in der Verwaltung,
- Kommunikation auf Augenhöhe,
- Finanzierungsstrategien.

Handlungsfelder
Dank des Engagements der Deutschen Alzheimer Gesellschaft liegen Hochrechnungen auf Bundesebene vor, laut derer in Rheinland-Pfalz etwa 85.000 Menschen von einer dementiellen Erkrankung betroffen sind.
Vorhaben
Wir wollen durch methodengestützte Forschung konkretere Fallzahlen in Bezug auf Demenzerkrankungen in Rheinland-Pfalz erhalten.
Wissensvermittlung über die Krankheit und die Kontaktmöglichkeiten im Sozialraum (Primärprävention)
Durch Aufklärung und Öffentlichkeitsarbeit wollen wir das Breitenwissen über Demenz verbessern, um gesundheitsförderliches Verhalten zu stärken und individuelle Risiken zu vermeiden. Wir wollen die Chance zur Früherkennung erhöhen, indem wir für die Signale im Alltag sensibilisieren und Demenz ins Bewusstsein rücken. Wir wollen vorhandene Informationsangebote und Beratungsstrukturen bekannter machen, damit Menschen leichter ins Netzwerk finden.
Zielgruppe: Alle Interessierten
Aufklärung und Frühdiagnostik bei Risikogruppen (Sekundärprävention)
Es gibt nachgewiesene Risikofaktoren, die das Auftreten einer Demenzerkrankung begünstigen können. Die Prävention setzt vor allem auf eine frühzeitige Diagnostik, damit Menschen mit Prävalenz oder Risikofaktoren so früh wie möglich von Therapien profitieren können.
Zielgruppe: Angehörige einer der 14 Risikogruppen
Versorgung von Betroffenen (Tertiärprävention)
Das Ausschöpfen der medikamentösen und nicht-medikamentösen Behandlungsmöglichkeiten beeinflusst einen günstigen Verlauf der Erkrankung. Bei Menschen, die schon eine Demenz entwickelt haben, geht es darum, sie zu verlangsamen, zum Stillstand zu bringen oder Komplikationen wie Stürze zu vermeiden.
Zielgruppe: Mitwirkende in der Versorgungskette
Prävention für Pflegende Angehörige
Wir wollen die Angebote der Selbsthilfe überprüfen und ausbauen, um pflegende An- und Zugehörige zu entlasten und in ihrer Resilienz zu stärken.
Diagnostik
Der längste Weg ist der Weg bis zur Diagnose, lautet eine Erkenntnis aus den Dialogrunden der Evaluation. Alltägliche Herausforderungen bekommen mit der Diagnose einen Namen, was viele Betroffene und deren häusliches Umfeld als Erleichterung empfinden. Gleichzeitig ebnet die Diagnose den Weg in die Versorgungskette. Wir wollen Erkenntnisse über die durchschnittliche Dauer bis zur Diagnose gewinnen sowie Handlungsansätze, um diese zu verkürzen.
Schnittstellen in der Versorgungskette
Entscheidend für eine gute Therapie sind die Schnittstellen in der Versorgungskette. Hierhin richten wir die Aufmerksamkeit und identifizieren Schlüsselstellen der Versorgung.
Demenzsensible Versorgung
Wir entwickeln Konzepte für demenzsensible Pflege im Krankenhaus, Reha, ambulanten und stationären Pflege, im Hospiz oder in der Palliativmedizin.
Forschung und Entwicklung
Wir beteiligen uns an Forschungsprojekten für neue Versorgungsansätze oder zur Stabilisierung der häuslichen Pflege.
Zielgruppe: Akteurinnen und Akteure im Gesundheitswesen und der Pflege
Die Bedürfnisse von Menschen mit Demenz ändern sich im Laufe der Erkrankung. Zur medizinischen Versorgung kommen pflegerische Bedarfe hinzu. Durch die neurodegenerative Ausprägung der Erkrankung sind Dienstleistende in der Pflege mehrfach gefordert, nämlich in ihrer pflegerischen Fachlichkeit wie auch im demenzsensiblen Umgang mit veränderten Verhaltensweisen.
Besonders Betreuungsgruppen, teilstationäre Angebote (Tages- oder Nachtpflege) oder Wohnformen für Menschen mit Demenz (Wohn-Pflege-Gemeinschaft) haben sich inhaltlich spezialisiert, wobei die Entlastung der An- und Zugehörigen zum Konzept gehört. Moderne Konzepte verbinden die Spezialisierung auf der einen Seite mit der Öffnung ins Quartier auf der anderen Seite.
Wir wollen den Alltag der Betroffenen so lange und so gut wie möglich erhalten. Durch das Ineinandergreifen von Beratung, Haushaltsunterstützung, zugehender Betreuung, pflegerischer Hausbesuche, Nacht-Pflege oder Einbindung von An- und Zugehörigen in stationäre Versorgung sollen harte Brüche im Alltag abgemildert werden.
Vorhaben
Wir wollen im Rahmen der Pflegestrukturplanung die Eignung pflegerischer Angebote und deren Verfügbarkeit in der Fläche überprüfen und die demenzspezifischen Bedarfe. Wir wollen gerontopsychiatrische Angebote stärken, neue Tages- und Nachtpflege-Konzepte prüfen und Demenz als Baustein in die sozialräumliche Beratung und Versorgungsplanung integrieren.
Zielgruppe: Dienstleisterinnen und Dienstleister in der Pflegeberatung, Pflegeselbsthilfe, Betreuung und Pflege
Kontaktstellen im Wohnumfeld
Über die Seniorenarbeit verdichten sich die Kontaktstellen im Wohnumfeld. Sie sollen künftig noch besser den Weg in die Demenznetzwerke weisen.
Beratung im Vor- und Umfeld der Pflege
Die Demenznetzwerke und Lokalen Allianzen für Demenz sind in allen Kommunen in Rheinland-Pfalz aktiv. Sie decken von niedrigschwelliger Beratung bis zum Verweis an Fachstellen eine regional unterschiedliche Bandbreite an Kompetenzen ab.
Beratung durch die Landesfachstelle Demenz Rheinland-Pfalz
Die Landesfachstelle Demenz ist zentrale Ansprechpartnerin für Demenz in Rheinland-Pfalz. Sie begleitet die Demenznetzwerke und organisiert jährliche Fachtage.
Zielgruppe: Akteurinnen und Akteure in der Pflege, Pflegeselbsthilfe und Pflegeberatung
Basisfinanzierung
Die strukturbildende Arbeit der Landesfachstelle Demenz stabilisiert die regionalen Demenz-Netzwerke und Lokalen Allianzen. Diese Strukturen werden unterstützt. Die Arbeit der Pflegestützpunkte an 135 Standorten in Rheinland-Pfalz sowie die Pflegeselbsthilfe an vier Standorten werden gefördert.
Projektfinanzierung
Die Empfehlungen, die aus der Evaluation (2023 – 2025) hervorgegangen sind, haben dazu beigetragen Handlungsfelder zu identifizieren und Aufgaben abzuleiten. Die hieraus resultierenden Projektkonzepte werden durch Projektfinanzierung gestützt.
Zielgruppen: Mitwirkende in der Beratung, Versorgung und Forschung
Kontakt
Marion Hilden-Ahanda
Referentin
Referat “Pflege. Gut leben im Alter”
Tel.: 06131 16-2055
E-Mail: Marion.Hilden-Ahanda(at)mastd.rlp.de
Berit Herger
Sachbearbeiterin
Referat “Pflege. Gut leben im Alter”
Tel.: 06131 16-2025
E-Mail: Berit.Herger(at)mastd.rlp.de