Hobby-Bastler finden HO-Modell auf Neuwieder Homepage
Wie wär`s mit Neuwieder Stadtgeschichte aus dem Internet zum Ausschneiden? Jedenfalls können Sie jetzt ein HO-Modell der historischen Lok No. 18 auf der Homepage der Stadt finden (www.neuwied.de/Kultur/Geschichtliches). Und zwar als Bastelbogen zum Ausdrucken, Ausschneiden und schließlich zum Zusammenbauen.
Was hat es mit der 70 PS starken elektrischen Lok auf sich? Beginnen wir bei der Kreisbahn Neuwied-Oberbieber, die zunächst als Kleinbahn zwischen Heddesdorf und Oberbieber verkehrte. Sie wäre im Juli 2001 runde 100 alt geworden - hätte nicht schon im Oktober 1950 die letzte Fahrt der grün-beigen Elektrotriebwagen stattgefunden. Gleichwohl hatte die meterspurige Bahn in den 49 Jahren ihrer Existenz auf der genannten Linie sowie Richtung Gladbach rund 70 Millionen Fahrgäste befördert.
Was sicher nur wenige wissen: Ursprünglich beförderte diese Kleinbahn auch Güter von Firmen in Niederbieber und Oberbieber zum Neuwieder Güterbahnhof und umgekehrt. Und zu diesem Zweck wurden 1901 jene zweiachsige Elektrolokomotive sowie neun offene und ein "bedeckter" Güterwagen angeschafft. Die Lok No. 18 konnte laut Lieferschein zwei beladene und einen leeren Wagen von je 5.000 Kilo Tragfähigkeit mit im Schnitt immerhin zehn bis zwölf Stundenkilometern bewegen. Doch der Güterverkehr der Kreisbahn blieb von Anfang an hinter den Erwartungen zurück und erwies sich als unrentabel. So wurden im Geschäftsjahr 1906/1907 ganze 6.484 Tonnen befördert. Zum Vergleich: Auf der parallel verlaufenden normalspurigen Kleinbahn Neuwied-Augustenthal rollten 1908 mehr als 147.000 Tonnen bis zum Rasselstein und weitere 24.000 Tonnen bis Augustenthal. Mit Schreiben vom März 1908 wies der Koblenzer Regierungspräsidenten schließlich die Kleinbahn den Straßenbahnen zu, die dem "Transport von Personen, Reisegepäck und Marktgut in Traglasten" vorbehalten bleiben sollten. Die kleine Güterzuglokomotive wurde dann um 1911 mit mehren Waggons nach Bad Kreuznach verkauft, wo sie noch einige Zeit im Einsatz war.
Und jetzt gibt es sie also für Bastler auf der Homepage der Stadt Neuwied. Den Bogen erstellt hat Jürgen Moritz, im Hauptberuf Beigeordneter der Stadt Neuwied, in seiner Freizeit widmet sich der Engerser immer wieder der Heimatgeschichte und mit besonderer Vorliebe der Bahngeschichte.
Er gehörte auch 2001 zu den Organisatoren der Ausstellung "100 Jahre ÖPNV in Neuwied", die in der StadtBibliothek gezeigt wurde. Unter den Exponaten befand sich auch ein Modell "unserer" Elektrolokomotive aus der "Werkstatt" von Jürgen Moritz. Die Nachfrage nach dieser Miniatur-Lok brachte ihn auf die Idee, den Bastelbogen im Internet anzubieten. Und falls es die Zeit des "Konstrukteurs" erlaubt, sollen Modelle der Güterwaggons folgen. Abgerundet wird die "Stadtgeschichte zum Ausschneiden" von allgemeinen Infos zu "100 Jahren ÖPNV in Neuwied".
Übrigens fand Jürgen Moritz bei seinen Recherchen heraus, dass im Zuge der Überlegungen zum Bau der Straßenbahnlinie nach Gladbach 1909 der Güterverkehr nochmals eine Rolle spielte. Und zwar wurde der Bau eines Anschlussgleises zum Gut Rommersdorf für Milchtransporte nach Engers und Neuwied diskutiert. Ob es tatsächlich dazu kam, war den Unterlagen nicht zu entnehmen. Aber vielleicht besitzt dazu ja der ein oder andere heimatgeschichtlich Interessierte weitergehende Informationen?
Quellen:
Rolf Lüttgers, Die Neuwieder Kreisbahn
Hansjürgen Wenzel, Eine vergessene Eisenbahn - Die Neuwieder Kreisbahn
Landeshauptarchiv Koblenz
Stadtarchiv Neuwied
Zu den Fotos:Die zweiachsige Elektrolokomotive (Lok No. 18) auf einem Werksfoto und als Modell zum Basteln, wie es auf der Homepage der Stadt zu finden ist.