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Colmberg (Kreis
Ansbach)
Jüdische Geschichte / Synagoge
Übersicht:
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde
Anmerkung: Die Ergebnisse der Publikation von
Karl-Ernst Stimpfig s.Lit. konnten noch nicht eingearbeitet werden.
In Colmberg bestand eine jüdische Gemeinde bis 1931.
Ihre Entstehung geht in die Zeit des 17./18. Jahrhunderts zurück. 1691
werden drei jüdische Familien genannt: Jacob, Lazarus und Moyses; letzterer
stammte aus Obernzenn.
1714
waren vier jüdische Familien am Ort, 1803 wurden 66 jüdische Personen in 18 Familien
gezählt.
An Einrichtungen hatte die Gemeinde eine Synagoge (s.u.), eine Religionsschule und ein
rituelles Bad. Die Toten der Gemeinde wurden auf dem jüdischen Friedhof in
Bechhofen beigesetzt (vgl. unten Bericht
zur Beisetzung des Lehrers Hirsch Weil). Die Gemeinde
gehörte zum Distriktsrabbinat Ansbach. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der
Gemeinde war im 19. Jahrhundert ein Religionslehrer angestellt, der
zugleich als Vorbeter und Schochet (Schächter) fungierte. Im 19. Jahrhundert
war 52 Jahre lang Lehrer in Colmberg und Jochsberg Hirsch Weil. Er starb
1891 (siehe Bericht unten), wird aber nicht so lange Lehrer am Ort gewesen sein,
da 1875 die Stelle neu ausgeschrieben wurde. Demnach wird Hirsch Weil von
1823 bis 1875 Lehrer am Ort gewesen sein. Nach 1875 wird ein Lehrer Herz
genannt (unten Anzeige von 1877) sowie bis zu seinem Weggang 1890 ein Lehrer N.
Heimann
(1890 wurde die Stelle erneut ausgeschrieben s.u.; 1892 - siehe Anzeige unten -
wird als Religionslehrer gleichfalls ein Lehrer Heimann genannt, eventuell
dieselbe Person; der Vertrag mit Lehrer Heimann endete am 31. August 1894, siehe
Bericht unten von 1895).
Nachdem die Zahl der jüdischen Gemeindeglieder gegen Ende des
19. Jahrhunderts bereits stark zurückgegangen war, konnte die Gemeinde - nach
Ende der Zeit von Lehrer Heimann am 31. August 1894 - keinen
eigenen Lehrer mehr anstellen. Bereits 1895 wurde der Religionsunterricht
in Colmberg durch den Lehrer Simon Dingfelder aus Ansbach
erteilt.
Im Ersten Weltkrieg fiel aus der jüdischen Gemeinde Ignaz Selling (geb.
10.6.1885 in Colmberg, vor 1914 in Ansbach wohnhaft, gef. 3.12.1916).
Um 1924, als noch etwa 14 jüdische Personen in drei Familien am Ort lebten,
wurde die Gemeinde weiterhin durch den Lehrer/Kantor aus Ansbach mitbetreut, der
den nur noch wenigen Kindern den Religionsunterricht erteilt. 1931 wurde die jüdische Gemeinde
aufgelöst und der Gemeinde in Feuchtwangen angeschlossen.
Von den in Colmberg geborenen und/oder
längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit
umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches
- Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen
Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Pauline (Paula) Aal geb. Hamburger (1872), Jette
Braun geb. Selling (1874), Toni Frankfurt (1879), Frieda Haas geb. Steinberger
(1893), Fritz Hamburger (1867), Samuel Hamburger (1869), Hugo Hausmann (1885), Siegbert
Hausmann (1886), Willi Otto Hausmann (1891), Therese Martin geb. Selling (1883),
Elise Rosenbaum geb. Eckmann (1859), Babette Rosenstein geb. Selling (1874),
Siegfried Selling (1880), Jakob Steinberger (1884), Siegfried Steinberger (1889),
Peppi Steinhardt geb. Hamburger (1871), Lina Weinstein geb. Steinberger (1892),
Ida Wittelshöfer geb. Steinberger (1882).
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde
Aus der Geschichte der
jüdischen Lehrer
Ausschreibungen der Stelle des Religionslehrers / Vorbeters / Schochet 1875 und
1890
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 15. Dezember 1875: "Gesucht.
Von der unterzeichneten Gemeinde wird sofort ein Religionslehrer,
Vorsänger und Schächter gesucht. Es wird demselben ein Fixum von 500
Gulden nebst freier Wohnung, sowie anständige Nebenverdienste
zugesichert. Meldungen nimmt entgegen
Leopold Selling,
Kultusvorstand in Colmberg bei Ansbach, Mittelfranken (Bayern). |
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Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 18. August 1890:
"Wir suchen bis zum ersten September einen ledigen Religionslehrer,
Schächter und Vorbeter, Gehalt 400 Mark. Schächten und
Nebenverdienste 450 Mark. Holz und Wohnung frei. Ausländer verbeten.
Bewerber wollen sofort ihre Zeugnisse an mich einsehen. Ich suche zugleich
einen Vorbeter für Rosch-Haschono und Jom-Kippur. Bewerber wollen mir
sofort ihre Ansprüche mitteilen.
Salomon Hausmann,
Kultusvorsteher, Colmberg." |
Zum Tod des Lehrers Hirsch Weil ( 1891)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 26. März 1891: "Aus
Mittelfranken. Vergangenen Erew Schabbat Schekalim (Freitag vor
Schabbat Schekalim = Freitag, 6. Februar 1891) wurde der 95-jährige
Lehrer Hirsch Weil - er ruhe in Frieden - zu Grabe getragen. Derselbe
wirkte 52 Jahre lang ununterbrochen in den Gemeinden Jochsberg - Colmberg.
Sämtliche Männer der Gemeinden Leutershausen, Jochsberg und Colmberg,
die siebenzigjährigen nicht ausgeschlossen, sind mit Ausnahmen von zweien
dessen Schüler. An der Trauerfeier beteiligten sich die zahlreichen
Anverwandten und viele Schüler des Dahingeschiedenen. Der Verblichene war
ein Zadik Ben Zadik (Frommer eines Frommen), was auch Herr Lehrer
Rosenstein bei der Beerdigung in Bechhofen
unter Zugrundelegung sinnreicher Midraschim hervorhob. Seine Seele sei
eingebunden in den Bund des Lebens." |
Zwei Familienväter weigern sich, ihre Kinder in den
israelitischen Religionsunterricht zu schicken (1895)
Artikel
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 16. August 1895:
"München, 11. August (1895). Gegen die israelitischen
Handelsleute Alexander Steinberger und Julius Joel in Colmberg war
Strafbefehl erlassen worden, weil sie während des ganzen Monats November
1894 es unterlassen hatten, ihre schulpflichtigen Kinder in den
israelitischen Religionsunterricht zu schicken, worin eine Übertretung
des § 58 des P.-St.-G. zu erblicken sei. Gegen den Strafbefehl wurde von
beiden Einspruch erhoben, weil sie nicht verpflichtet gewesen seien,
nachdem der Dienstvertrag mit Lehrer Haymann am 31. August 1894 abgelaufen
war, ihre Kinder weiter noch in die Schule zu schicken. Der Einspruch
wurde vom Schöffengericht am Amtsgericht Ansbach verworfen, weil die
Entlassung des vormaligen Lehrers nur in der Weise regierungsseits
genehmigt wurde, dass dieselbe erst an dem Tage in Wirksamkeit trete, an
welchem ein vorschriftsmäßig bestätigter Nachfolger desselben an dessen
Stelle tritt, und bis dahin der frühere Lehrer immer noch als der
ordnungsgemäße Lehrer zu betrachten sei. Die Berufung der Angeklagten
wurde vom Amtsgericht Ansbach mit der Modifikation bestätigt, dass er
erstinstanzielle Strafantrag von drei Tagen Haft in fünf Mark eventuell
in einen Tag Haft umgewandelt wurde. Hiergegen wurde von den Angeklagten
Revision eingelegt, weil es sich nicht um den Besuch einer Volksschule,
sondern um einen privaten Religionsunterricht handle. Staatsanwalt
Büttner begutachtete die kostenfällige Verwerfung der Revision, da auch
der israelitische Religionsunterricht einen Zweig des
Volksschulunterrichts für israelitische Schulkinder bilde. Die Revision
wurde verworfen." |
Aus dem jüdischen Gemeindeleben
Die orthodox-jüdische Zeitung "Der Israelit" kritisiert einige
Zustände in der Gemeinde Colmberg nach dem Weggang des Lehrers Heimann (1891)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 9. Juli 1891: "Aus
Mittelfranken, 1. Juli (1891). Einige Kolmberger Zustände dürften
auch die Leser außerhalb unseres Kreises interessieren. Nachdem Herr
Lehrer Heimann daselbst seines Amtes nicht mehr obliegt, ist ein
Gemeindemitglied Toravorleser. Man nimmt nämlich die heilige Rolle aus
der Lade und leient (liest) alsdann aus dem Chumesch (gemeint: aus
einer Bibelausgabe in Buchform). Das Rabbinat hat zwar den Vorsteher aus
das Unerlaubte dieser Handlungsweise aufmerksam gemacht, allein, das
kümmert große Geister nicht. Am vergangenen Schabbat hat man in
Kolmberg statt Behaalotecha (sc. das wäre der richtige
Toraabschnitt für Schabbat, 21. Siwan = 27. Juni 1891 gewesen) die Sidra Schelach
Lecha (das ist erst der Toraabschnitt für den folgenden Schabbat, 4.
Juli 1891) geleient, weil der Baal Kore (Vorbeter) als Rosch
HaKahal (Gemeindevorsteher) solches anordnete.
In demselben Kolmberg schächtet auch ein Herr Joel sein Geflügel, ohne
dazu rabbinatlich autorisiert zu sein. Um aber späterem Irrtum
vorzubeugen, sei jetzt schon darauf aufmerksam gemacht, dass das von
Kolmberg nach auswärts verschickte Geflügel nur dann richtig geschätet
ist, wenn die richtige Schechita durch Herrn Heimann bezeugt werden kann.
Der Zweck dieser Zeilen ist lediglich nur der, die Gemeinde Kolmberg zu
veranlassen, die aufgedeckten Mängel abzustellen, nachdem solches durch
die örtlichen Verhälntisse äußerst einfach gemacht werden kann: man
braucht nur Friede untereinander herzustellen." |
Berichte zu einzelnen Personen
aus der Gemeinde
Zum Tod von Jetta Hamburger geb. Weil (1877)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 11. April 1877:
"Colmberg. Am 22. März verschied in hiesiger Gemeinde Frau Jetta
Hamburger geb. Weil im blühendsten Alter von kaum 39 Jahren. Außer ihrem
Mann und 8 unmündigen Kindern, welche die Dahingeschiedene hinterlassen
hat, wird diese, im wahren Sinne des Wortes gewesene Eschet Chajal
(tüchtige Frau) von Allen, die sie bekannt, tief betrauert. In ihrer
Mildtätigkeit, die sie gegen jeden Menschen ohne Unterschied der Religion
übte, war sie sehr bescheiden. Keinen Taanit Zibbur (öffentlicher
Fasttag) verfehlte sie zu fasten, wozu sie auch ihre Kinder anhielt. Am
verflossenen Taanit Ester fastete diese Ischa Chaschuwa (bedeutende
Frau) bis nach dem Aufruf der Megilla. Gewiss eine Seltenheit bei jetziger
Zeit.
Mit Recht können an der Verblichenen die Worte "Ein kluges Weib
baut ihr Haus" (Sprüche 14,1) angewendet werden, denn abgesehen
davon, was eine Mutter bei einer so zahlreichen Familie zu leisten hat,
stand sie ihrem Manne in seinen Geschäften mit Rat und Tat bei, sie
stand auf, wenn es noch Nacht war und gab Speise ihrem Haus (Sprüche
31,15). Um 2 oder 3 Uhr Nachts stand sie auf und besorgte die nötigen
Arbeiten, die zu ihres Mannes Geschäften erforderlich waren.
Zwölf Kinder gebar sie zur Welt und bei der dreizehnten Entbindung musste
sie zugleich mit ihrem Sprössling den Geist aufgeben. Nur der einzige
Trost, welcher den Hohepriester Aron in seiner harten Prüfung zum
Schweigen brachte, ist der, der die Hinterbliebenen beruhigen kann. Ihre
Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens." |
Goldene Hochzeit von Alexander Steinberger und Regina geb.
Liebenstein (1926)
Artikel
in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 7.
August 1926: "Colmberg bei Rothenburg ob der Tauber. Zu einer
überaus ehrenden Feier gestaltete sich das goldene Hochzeitsjubiläum
des Herrn Alexander Steinberger und dessen Gattin Regina geb. Liebenstein.
Am Vorabend des Tages hatte es sich die erwachsene Jugend der Marktgemeinde
nicht nehmen lassen, das Haus des Jubelpaares mit Bäumen und Girlanden
aufs prächtigste zu schmücken. Am Jubeltage selbst brachte die Jugend
der befreundeten Nachbarschaft den Jubilaren ein musikalisches Ständchen
dar. Überreich waren die Blumenspenden und Geschenke sowie die
Glückwünsche der Bürgerschaft und Beamten. Unter den zahlreichen Gratulanten
befanden sich, was in unserer politisch bewegten Zeit besonders
hervorzuheben ist, allein fünf Geistliche christlicher Konfession des Ortes
und der Umgebung, die ihre Wünsche teils persönlich, teils durch
Übersendung von herzlich gehaltenen Glückwünschen und Geschenken
überbrachten. Am Abend bereitete der Gesangverein dem Jubelpaare durch
Gesangvorträge und eine Ansprache eine besondere Ehrung, während
gleichzeitig die Jugend der Gemeinde durch Abbrennen eines kleinen
Feuerwerks den Gefühlen der Wertschätzung besonderen Ausdruck verlieh.
Es war alles in allem ein Ehrentag für das Jubelpaar, wie er in unserer
Gemeinde noch nicht erlebt worden ist." |
Anzeigen jüdischer
Gewerbebetriebe und Privatpersonen
Lehrer Herz sucht eine Haushälterin (1877)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 23. Mai 1877: "Eine
erfahrene Person gesetzten Alters, wird bei gutem Lohn und guter
Behandlung zur Führung einer Haushaltung auf dem Lande gesucht. Näheres
zu erfahren bei Lehrer Herz in Colmberg bei Ansbach (Mittelfranken)." |
Lehrer N. Heimann bietet "junge, fette Gänse"
an (1890 / 1892)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 27. Oktober 1890:
"Junge, fette Gänse liefert zu billigen Preisen N. Heimann,
Religionslehrer, Kolmberg (Mittelfranken)." |
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Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 14. November 1892:
"Junge, fette Gänse à Pfund 60 Pfg. ab hier liefert N. Heimann,
Religionslehrer in Colmberg, Bayern." |
Zur Geschichte der Synagoge
Ein Betsaal beziehungsweise eine Synagoge wird spätestens Anfang
des 18. Jahrhunderts erfolgt sein. Um 1730 erfolgte die Ausmalung.
1849 stand eine umfangreiche Reparatur der Synagoge an ("Hauptreparatur").
Da die eigenen finanziellen Mittel der wenigen jüdischen Familien dafür nicht
ausreichten, wurde die Durchführung einer Kollekte bei der Regierung beantragt.
Diese wurde im September 1849 genehmigt und in den folgenden Wochen
durchgeführt. Vermutlich alsbald nach Abschluss der Sammlung wurde die Reparatur
der Synagoge durchgeführt:
Kollekte zur Reparatur der Synagoge in Kolberg (1849)
Artikel
im "Intelligenzblatt von Unterfranken und Aschaffenburg des Königreichs
Bayern vom 13. September 1849: "10. September 1849. An sämtliche
Distrikts-Polizeibehörden von Unterfranken und Aschaffenburg.
(Das Gesuch der israelitischen Kultusgemeinde Colmberg um Bewilligung einer
Kollekte behufs der Reparatur ihrer Synagoge betreffen).
Im Namen Seiner Majestät des Königs.
Seine Majestät der König haben auf die Bitte der israelitischen Gemeinde
zu Colmberg, königlichen Landgerichts Leutershausen, allergnädigst zu
genehmigen gerugt, dass zur Vornahme einer Hauptreparatur der Synagoge von
Colmberg eine Kollekte in sämtlichen israelitischen Synagogen des
Königreichs veranstaltet werde.
Sämtliche Distrikts-Polizeibehörden werden daher beauftragt, zu diesem
Behufe das Geeignete zu verfügen und das Gesamtergebnis bis zum 15. Oktober
1849 an das Expeditionsamt der unterfertigten königlichen Stelle
einzusenden, übrigens auch bis dorthin berichtliche Anzeige über dasselbe
anher zu erstatten.
Würzburg, den 5. September 1849.. Königliche Regierung von
Unterfranken und Aschaffenburg, Kammer des Innern. B.V.d.Pr.
Hohe Mees."
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Der Betsaal
befand sich im Obergeschoss des
Synagogengebäudes. Die Ausmalung des Betsaales aus dem 18. Jahrhundert wurde erst 1928 (?) unter
dreifachem Anstrich wiederentdeckt, von Theodor Harburger fotografiert und auf seine
Initiative hin ausgebaut und nach München in die Obhut des Verbandes
Bayerischer Israelitischer Gemeinden gegeben. Nach dem nachstehenden
Presseartikel erfolgt vor dem Transport eine Konservierung durch das Landesamt
für Denkmalpflege.
Artikel
im "Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinden in Frankfurt" vom
September 1929: "Colmberg. Bei Herrichtung der Synagoge wurde
unter dreifachem Anstrich eine mittelalterliche Bemalung entdeckt. Die
wertvolle Decke wird nach der nötigen Konservierung durch das Landesamt
für Denkmalpflege nach München gebracht werden". |
Die Bemalung des Betsaales stammte von dem
bekannten Maler Elieser Sussmann, Sohn des Kantors Schlomoh Katz aus Brod, der
u.a. die Synagogen in Bechhofen, Horb am Main, Unterlimpurg
bei Schwäbisch Hall und Kirchheim bei Würzburg ausgeschmückt hat.
Von diesen Synagoge ist die Colmberger die am wenigsten bekannte. David
Davidovicz (s. Lit.) schreibt: "Die Synagoge von Colmberg wird aus irgendeinem Grunde
in dem künstlerischen Werk Elieser Sussmanns wenig erwähnt. Die Tatsache, dass
auch das Interieur des kleinen Bethauses der Gemeinde Colmberg von Elieser
Sussmann gemalt worden sei, wurde von dem jüdischen Maler Max Untermayer-Raymer
in seinem Artikel 'German Synagogues' bestätigt, der im 'The Menorah Journal',
New York, Heft 1, Bd. 25, 1937, veröffentlicht wurde."
Der Verbleib der Vertäfelung und Synagogeneinrichtung nach 1929 ist unbekannt.
Das Synagogengebäude in Colmberg wurde noch 1929 abgebrochen.
Artikel von Theodor Harburger: Werke
jüdischer Volkskunst in Bayern.
In: Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 13 vom 1. Juli 1931 S.
195-199.
(bitte beim Anklicken längere Ladezeit der Seiten beachten)
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Weiterer Artikel
von Theodor Harburger zu einer "Ausstellung jüdischer
Kultgeräte und -einrichtungen für Synagoge und Haus (Artikel in der
Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 1. Juli 1930) |
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Adresse/Standort der Synagoge: Rothenburger
Straße 6.
Fotos
(Fotos von Theodor Harburger,
aufgenommen am 1. August 1929; veröffentlich in Th.
Harburger: "Die Inventarisation jüdischer Kunst- und Kulturdenkmäler in Bayern.
Hg. von den Central Archives for the History of the Jewish People, Jerusalem und
dem Jüdischen Museum Franken - Fürth und Schnaittach 1998 Bd. 2 S. 147-155).
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Jüdisches Gemeindehaus mit
der Synagoge im Obergeschoss, Ansicht von Südosten. |
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Der Tora-Schrein (Aron
HaKodesch) |
Innenseite der Türflügel des
Aron-ha-Kodesch |
Deckenmalerei der Synagoge |
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Detail der Deckenmalerei |
Detail der Deckenmalerei |
Deckenmalerei der Synagoge |
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Tür zum Frauenbereich |
Trennwand zwischen Männer-
und Frauenbereich |
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Weitere Berichte
Familiäre Wurzeln von
Billy Joel gehen nach Colmberg zurück |
Bericht
am 29. April 2009 in "Die Welt - online" (direkt
zum Artikel)
Billy Joel: Popstar mit fränkischen Wurzeln
Nürnberg (dpa) - 'Ein kleiner bärtiger Mann mit traurigen Augen steht im Nieselregen auf dem Jüdischen Friedhof in Nürnberg. Er trägt eine Kippa auf dem Kopf und legt einen kleinen Stein auf ein schwarzes Marmorgrab, so wie es alter Sitte entspricht.'
So beginnt der Nürnberger Journalist Steffen Radlmaier sein neu erschienenes Buch. Es heißt
'Die Joel-Story', und der kleine bärtige Mann ist kein anderer als Popstar Billy Joel, der am 9. Mai seinen 60. Geburtstag feiert.
Die fränkischen Wurzeln des Musikers aus New York, der mit Alben wie 'Piano Man',
'The Stranger' oder 'River of Dreams' die Pop-Welt eroberte, waren lange Zeit nicht bekannt. Billy Joel selbst schreibt in einem Vorwort zu dem Buch:
'Ich habe lange Zeit kaum etwas von meiner Familiengeschichte gewusst, sie steckt für mich voller Geheimnisse.' Denn Joels jüdische Familie hatte vor den Nazis aus Deutschland fliehen müssen.
Ihre Wurzeln hatte die Familie, wie Radlmaier berichtet, in dem fränkischen Dorf
Colmberg bei Ansbach. Karl Amson Joel baute dann in Nürnberg ein Wäscheversand-Unternehmen auf, ging später nach Berlin, ehe er 1938 mit seiner Frau und Sohn Helmut - Billys Vater - in die USA floh. Die drei überlebten.
'Viele Verwandte dagegen fanden in Konzentrationslagern den Tod', heißt es in dem Buch. Das Familiengrab der Joels befindet sich bis heute auf dem Jüdischen Friedhof Nürnberg. Den Wäscheversand übernahm übrigens Josef Neckermann, der damit den Neckermann-Versand begründete.
1995 war Billy Joel zu einem aufsehenerregenden Konzert nach Nürnberg gekommen. Seinen Auftritt verstand der 1949 geborene Musiker damals als Geste der Versöhnung. Um diese Zeit begann sich Radlmaier, Feuilletonchef bei den
'Nürnberger Nachrichten', näher für das Thema zu interessieren. Er lernte die Joels kennen, führte Interviews mit Billy Joel, Vater Helmut und Halbbruder Alexander, einem heute international gefeierten Dirigenten.
Ausführlich zeichnet Radlmaier die Familiengeschichte nach: Flucht und Exil in Kuba, Neubeginn in New York, Billy Joels Kinderjahre, die auch geprägt waren vom Scheitern der Ehe seiner Eltern. 1957 verließ der Vater die Familie. Trotz aller Geldsorgen machte es Mutter Rosalind jedoch möglich, dass Billy weiterhin seine Klavierstunden erhielt: Bach, Beethoven, Brahms. Bis heute sind seine Lieblingskomponisten Deutsche, auch Wagner und Schumann zählt er dazu.
'Alles Deutsche fasziniert mich', schreibt er im Vorwort.
Die Schilderung von Joels Musiker-Karriere verknüpft der Autor in seinem Buch immer wieder mit der Familiengeschichte. So führt er die Leser ins Jahr 1972, als Billy auf einer Europatournee erstmals wieder Kontakt zu seinem Vater suchte - und ihn tatsächlich ausfindig machte.
'Seitdem ist es gut zwischen uns gelaufen', sagt Billy Joel in dem Buch. Erst damals erfuhr der Rockstar auch von seinem Halbbruder Alexander.
'Im Schicksal der jüdischen Familie Joel spiegelt sich die Geschichte des 20. Jahrhunderts auf ganz besondere Weise', bilanziert Radlmaier.
Und Billy Joel selbst sagt: 'In gewisser Weise verdanke ich meine Existenz
den großen Katastrophen im Europa des 20. Jahrhunderts. (...) Während ein
großer Teil meiner Familie vernichtet wurde, überlebten meine Eltern - und
ich wurde geboren. Das ist für mich bis heute ein unbegreiflicher
Widerspruch." |
Offizielle Website von Billy Joel: http://www.billyjoel.com/
(von hier auch das Foto oben) |
Buchtitel des im Artikel oben angezeigten
Buches:
Steffen Radlmaier: Die Joel-Story: Billy Joel und seine
deutsch-jüdische Familiengeschichte.
256 Seiten. Heyne-Verlag 2009. ISBN 103453158741. € 19.95.
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Hinweis:
In Colmberg besteht ein
"Dokumentationszentrum 'Familiengeschichten - Jüdisches Leben in Colmberg'"
|
Das
Dokumentationszentrum "Familiengeschichten – Jüdisches Leben in Colmberg"
erinnert an eine fast 300jährige, gemeinsam erlebte Geschichte, die sich
aus vielen individuellen Einzelgeschichten zusammensetzt. Über Ereignisse
und Schicksale berichten Mitglieder der ehemaligen jüdischen Gemeinde bei 'persönlichen'
Begegnungen. Viele interaktive und multimediale Angebote informieren
ergänzend über die historischen Hintergründe ihrer Erlebnisse.
Warum zogen damals jüdische Familien nach Colmberg? Welche Berufe übten
sie aus? Wie gestaltete sich das Zusammenleben mit der christlichen
Nachbarschaft? Wer sprach Lachoudisch und wie klang diese fremde
Geheimsprache? Und warum verließen schließlich viele Juden den Ort auch
wieder?
Antworten darauf – und auf viele Fragen mehr – erhalten Gruppen, Familien,
Einzelbesucher und alle Interessierten in der kinderfreundlich und
barrierearm gestalteten Ausstellung im Dokumentationszentrum.
Adresse: Dokumentationszentrum 'Familiengeschichten –
Jüdisches Leben in
Colmberg'
Ansbacher Straße 6
91598 Colmberg
Die Ausstellung ist frei und kostenlos
sowie barrierearm zugänglich.
Ein
respektvoller und rücksichtsvoller
Umgang mit den Angeboten wird erwartet
Öffnungszeiten Dokumentationszentrum:
Täglich von 09:00 bis 17:00 Uhr.
Nähere Informationen zu Führungen
oder Sonderöffnungszeiten bei
Markt
Colmberg www.colmberg.de. Siehe
Flyer des Dokumentationszentrums (eingestellt als pdf-Datei).
Weitere Informationen auch in entsprechenden Informationsseiten der
Website des Marktes
Colmberg (mit weiteren Unterseiten und Fotos)
|
Links und Literatur
Links:
Literatur:
| David Davidovicz: Wandmalereien in alten Synagogen.
Das Wirken des Malers Elieser Sussmann in Deutschland. Hameln-Hannover 1969. |
| Baruch Z. Ophir/Falk Wiesemann: Die
jüdischen Gemeinden in Bayern 1918-1945. Geschichte und Zerstörung. 1979
S. 176 (Notiz im Artikel zu "Feuchtwangen") |
| Israel Schwierz: Steinerne Zeugnisse jüdischen Lebens in
Bayern. Eine Dokumentation der Bayerischen Landeszentrale für politische
Bildungsarbeit. A 85. 1988 S. 31-32. |
| Pinkas Hakehillot: Encyclopedia of Jewish
Communities from their foundation till after the Holocaust. Germany -
Bavaria. Hg. von Yad Vashem 1972 (hebräisch) hat keinen Artikel zu
Colmberg. |
|
Karl-Ernst Stimpfig: Die Juden von Leutershausen, Jochsberg, Colmberg
und Wiedersbach. Eine Dokumentation. Leutershausen 2000.
Anmerkung: Das nur in kleiner Auflage im Verlag Fritz Majer & Sohn KG
91578 Leutershausen erschienene Buch (ISBN 3-922 175-42-2) ist bereits
längere Zeit vergriffen und nicht mehr lieferbar.
Einen privaten und unverkäuflichen Nachdruck gab es zu Ehren des Autors
zum 80. Geburtstag am 16. Juni 2005 (Burg-Verlag, Braunsbach-Döttingen). |
| "Mehr als
Steine...." Synagogen-Gedenkband Bayern. Band II:
Mittelfranken.
Erarbeitet von Barbara Eberhardt, Cornelia Berger-Dittscheid,
Hans-Christof Haas und Angela Hager, unter Mitarbeit von
Frank Purrmann und Axel Töllner. Hg.
von Wolfgang Kraus, Berndt Hamm und Meier Schwarz.
Reihe: Gedenkbuch der Synagogen in Deutschen. Begründet und
herausgegeben von Meier Schwarz. Synagogue Memorial Jerusalem. Bd. 3:
Bayern, Teilband 2: Mittelfranken. Lindenberg im Allgäu 2010.
Kunstverlag Josef Fink Lindenberg im
Allgäu.
ISBN 978-3-89870-448-9. Abschnitt zu Colmberg S.146-163. |
| Spuren jüdischen Lebens rund um den Hesselberg. Kleine Schriftenreihe Region Hesselberg Band
6.
Hrsg. von Gunther Reese, Unterschwaningen 2011. ISBN
978-3-9808482-2-0
Zur Spurensuche nach dem ehemaligen jüdischen Leben in der Region Hesselberg lädt der neue Band 6 der
'Kleinen Schriftenreihe Region Hesselberg' ein. In einer Gemeinschaftsarbeit von 14 Autoren aus der Region, die sich seit 4 Jahren zum
'Arbeitskreis Jüdisches Leben in der Region Hesselberg' zusammengefunden haben, informieren Ortsartikel über Bechhofen, Colmberg, Dennenlohe, Dinkelsbühl, Dürrwangen, Feuchtwangen, Hainsfarth, Heidenheim am Hahnenkamm, Jochsberg, Leutershausen, Mönchsroth, Muhr
am See (Ortsteil Altenmuhr), Oettingen, Schopfloch, Steinhart,
Wallerstein, Wassertrüdingen und Wittelshofen über die Geschichte der ehemaligen jüdischen Gemeinden. Am Ende der Beiträge finden sich Hinweise auf sichtbare Spuren in Form von Friedhöfen, Gebäuden und religiösen Gebrauchsgegenständen mit Adressangaben und Ansprechpartnern vor Ort. Ein einleitender Beitrag von Barbara Eberhardt bietet eine Einführung in die Grundlagen des jüdischen Glaubens. Eine Erklärung von Fachbegriffen, ein Literaturverzeichnis und Hinweise auf Museen in der Region runden den Band mit seinen zahlreichen Bildern ab. Das Buch ist zweisprachig erschienen, sodass damit auch das zunehmende Interesse an dem Thema aus dem englischsprachigen Bereich
abgedeckt werden kann, wie Gunther Reese als Herausgeber und Sprecher des Arbeitskreises betont. Der Band mit einem Umfang von 120 Seiten ist zum Preis von
12,80 €- im Buchhandel oder im Evangelisch-Lutherischen Pfarramt Mönchsroth, Limesstraße 4, 91614 Mönchsroth, Tel.: 09853/1688 erhältlich
E-Mail: pfarramt.moenchsroth[et]elkb.de.
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Wenn
Mauern reden könnten! Gedenkschrift zum 75. Jahrestag der Reichspogromnacht
in Colmberg 09. November 2013. Hrsg.: Liebenzeller Gemeinschaft Colmberg
e.V. 56 S. zahlr. Abb. |
n.e.
vorherige Synagoge zur ersten Synagoge nächste Synagoge
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