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Edenkoben (VG
Edenkoben, Kreis
Südliche Weinstraße)
Jüdische Geschichte / Synagoge
Übersicht:
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english
version)
In dem bis zum Ende des 18. Jahrhunderts zur Kurpfalz gehörenden
Edenkoben bestand eine jüdische Gemeinde bis 1940. Ihre Entstehung geht in die
Zeit des 17. Jahrhunderts zurück (erste Erwähnung jüdischer Einwohner 1660:
Jud Isaak von Bruchsal kann sich in Edenkoben
niederlassen); 1673/74 wird er als Jud "Seckell zu Edenkhoffen"
erwähnt, der damals zusammen mit Daniel zu Wachenheim und Jeremias zu Neustadt
noch 200 Gulden an Rekognitionsgeldern zu bezahlen hatte.
Um 1700 wird Jud Borich von Edenkoben als Judenvorsteher des Amtes Neustadt
genannt, der für die Eintreibung der von den Juden an die Regierung zu
zahlenden Abgaben verantwortlich war. Edenkoben entwickelte sich in der
Folgezeit zur größten jüdischen Gemeinde im Amt Neustadt: 1722 werden
am Ort (damals auch Edickhoffen oder Edencoffen genannt) folgende
jüdische Haushaltsvorstände genannt: Baruch,
Salomon, Ischi, Salomon Hayum, Hirsch, Levi, Hertz, Aaron Baruch und Mayer
Hertz. Auch 1746 wird ein Jude aus Edenkoben - Sender Isack - als
"Untergeldeinnehmer" der Landjudenschaft im Amt Neustadt
genannt. Damals (Liste von 1743) waren die jüdischen Haushaltsvorstände: Aron
Isaac, Aron Baruch, Alexander Baruch, Salomon Hayum, Jacob Hayum, Meyer Herz,
Löw Hayum, Feibel Isac, Michael Mandel, Mayum Löw, Isai Isac, Herz Bauer,
Daniel Herz, Benjamin Samuel, Smule Benjamin und Löw Salomon. 1752 zählten die
jüdischen Familien zusammen 52 Personen.
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner
wie
folgt: 1801 50 jüdische Einwohner (1,5 % der Gesamteinwohnerschaft), 1808
88 (in 31 Haushaltungen, 2,1 %), 1825 162 (3,6 %), 1847 190, 1875 144, 1900 120,
1905 123 (2,4 %).
1809/10 werden die folgenden jüdischen Haushaltsvorstände genannt: Aron
Abraham (Viehhändler), David Abraham (Kurzwarenhändler), Witwe Babette Alexander,
Moses Bloch (Händler), Nestor Dreyfuß (Kaufmann), Emanuel Hirsch
(Mehlhändler), Salomon Hirsch (Mehlhändler), Aron Isaac (Händler), Jesché
Isaac (Eisenhändler), Isaac Joachim (Metzger), Jesaias Löb (Metzger), Samuel
Löb (Händler), Salomon Löb (Händler), Witwe Fanni Mayer, Judas Michel
(Händler), Lazarus Neu (Händler), Herzog Seeligmann (Händler), Léon Wolff
(Kurzwarenhändler).
An Einrichtungen hatte die Gemeinde eine Synagoge (s.u.), eine Schule
(in einem 1830/31 erbauten Schulhaus neben der Synagoge), ein
rituelles Bad (hinter dem Schulhaus, wurde vom vorbeifließenden Mühlenbach/Triefenbach
gespeist) und einen Friedhof. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der
Gemeinde war ein Lehrer angestellt, der teilweise zugleich als Vorbeter und Schochet
tätig war (vgl. Ausschreibungen der Stelle unten). In der zweiten Hälfte des
19. Jahrhunderts hatte die Gemeinde für diese Aufgaben zwei Personen
angestellt. Neben dem Elementarlehrer an der jüdischen Schule gab es einen
Vorbeter und Schochet. Als Elementarlehrer im 19. Jahrhundert ist vor allem
Maier Elsasser zu nennen, der 1855 sein 25-jähriges Amtsjubiläum in Edenkoben
feiern konnte (siehe Bericht unten) und bis 1865 am Ort blieb. Sein Nachfolger
war bis zu seiner Pensionierung 1889 Leopold Stern. Hierauf folgte Lehrer Josef
Weil, der 1907 in Edenkoben verstarb
(siehe Bericht). Die Gemeinde gehörte zum Bezirksrabbinat Landau.
Im Ersten Weltkrieg fielen aus der jüdischen Gemeinde: Georg Mayer (geb.
3.2.1893 in Edenkoben, gest. 27.3.1919), Julius (Jakob) Michel (geb. 6.12.1883
in Edenkoben, gef. 22.10.1915), und Gefreiter Paul Wolff (geb. 18.1.1889 in
Edenkoben, gef. 22.10.1915). Die Namen der jüdischen Gefallenen standen auf
einer Gedenktafel in der Synagoge und auf dem Ehrenmal der bürgerlichen
Gemeinde, von wo sie 1938 herausgemeißelt wurden.
Die jüdischen
Familien lebten überwiegend vom Handel mit Vieh sowie mit Landesprodukten,
insbesondere Wein. Seit der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts hatten mehrere von
ihnen jüdische Handlungen und Geschäfte am Ort eröffnet.
Um 1924, als zur Gemeinde 84
Personen gehörten (1,3 % von insgesamt etwa 6.500 Einwohnern), waren die Gemeindevorsteher
Max Mayer, Julius Nachmann und Julius Hermann. Als Religionslehrer, Kantor und
Schochet war Leopold Schwarz in der Gemeinde tätig (bis zu seiner Berufung zum
1. September 1928 nach Speyer). Er erteilte an der
Religionsschule acht Kindern den Religionsunterricht; zugleich unterrichtete an
Religion an höheren Schulen. An jüdischen Vereinen gab es u.a. den Israelitischen
Wohltätigkeitsverein (1924 unter Leitung von Julius Hermann, 1932 unter
Leitung von Max Mayer; Zweck und Arbeitsgebiete: Unterstützung in Not geratener
jüdischer Bürger, Gewährung von Lehrmitteln, Schulgeld usw.). 1932 waren die
Gemeindevorsteher Max Mayer (1. Vors.,) Moses Gärtner (2. Vors.) und Ludwig
Strauß (3. Vors.). Als Lehrer, Kantor und Schochet war seit 1929 nun David Bär
in Edenkoben tätig (Wohnung Bahnhofstraße 42).
Zur jüdischen Gemeinde Edenkoben gehörten nach Auflösung der dortigen
Gemeinden auch die in Maikammer und Edesheim lebenden jüdischen Personen: in
Maikammer 13 Personen, 1932 10 Personen; in Edesheim 1932 8 Personen.
1933 lebten noch 66 jüdische Einwohner in Edenkoben. Ein
größerer Teil von Ihnen konnte noch rechtzeitig auswandern, davon 20 in die
Vereinigten Staaten. Von 1936 bis 1938 ging die Zahl der jüdischen Einwohner
auf 41 zurück. Lehrer David Bär verließ im Frühjahr 1938 die Gemeinde
(siehe Bericht unten). Sein Nachfolger wurde noch für einige Monate Benno
Kesstecher (siehe Bericht unten). Beim Novemberpogrom 1938 wurden jüdische Häuser
demoliert. Am 22. Oktober 1940 wurden 14 der noch in Edenkoben lebenden 16
jüdischen Einwohner nach Gurs deportiert. Die meisten kamen ums
Leben.
Von den in Edenkoben geborenen und/oder
längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit
umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches
- Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen
Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Elise Cohen geb. Kern (1904), Bertha Eppler (1872), Grete S.
Gottlieb geb. Wolff (1906), Richard Ludwig Hirsch (1872), Siegmund Hirsch
(1884), Robert Kahn (1868), Emilie Kaufmann (1859), Franziska Kaufmann geb.
Mannheimer (1898), Emil Kern (1879), Ferdinand Kern (1867), Karoline Kern geb.
Sonnheim (1867), Meta Kern geb. Josephsohn (1882), Sigmund Kern (1869), Benno Kesstecher (1917, letzter Lehrer der Gemeinde, siehe unten), Barbara
Mayer geb. Michel (1881), Else Mayer geb. Siegel (1889), Jakob Mayer (1890),
Margot Mayer (1920), Ruth Mayer (1924), August Hermann Neu (1888), Eduard
Rössner (1901), Suzanne Rosenthal geb. Kern (1873), Carl Samson (1875), Else
Samson (1910), Siegfried Samson (1913), Hermann Tausig (1886), Pauline (Bella)
Tobias geb. Kern (1870), Luise Wolf geb. Blum (1888), Max Wolff
(1878).
Hinweis: Die bislang in der Liste eingestellten Personen Maximilian Dreifus
(1881) und Sofie Dreifus geb. Günsburger (1885) haben die Verfolgungszeit
überlebt. Nach den Recherchen von Dorothea Scherle (Mitteilung vom 12.3.2020)
schafften es entweder die 1937 und 1938 nach New York emigrierten Töchter (Rita,
Ilse Klothilde, Alice Herta), die Eltern aus Gurs herauszuholen, oder die Eltern
sind vor der Deportation nach Frankreich geflohen. Quelle: Passagierlisten für
die Schiffsreise nach New York (eingesehen über MyHeritage): 1)
für Maximilian und Sofie Dreifus(s) vom Dezember 1941/Januar 1942), 2)
für Ilse Klothilde Dreifus und Alice Herta Dreifus vom Juli/August 1938, 3)
für Rita Dreifus vom Mai 1937.
Aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer und der Schule
Ausschreibungen der Stelle des Lehrers / Vorbeters / Schochet 1847 /
1861 / 1865 / 1902 / 1921 /1922
Anmerkung: bis Anfang des 20. Jahrhunderts gab es neben dem jüdischen
Elementarlehrer einen Vorsänger (Hilfskantor) und Schächter (Ausschreibungen 1847,
1861, 1902).
Bei der Ausschreibung 1921 sind die Ämter des Lehrers und Kantors miteinander
verbunden, bei der Ausschreibung 1922 ist auch das Amt des Schächters Aufgabe
des Lehrers.
Anzeige
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 22. März 1847:
"Die hiesige Gemeinde bedarf eines Vorsängers und Schächters. Das
Fixum als Vorsänger ist 250 Gulden, die Schechita trägt ebenfalls 250
Gulden. Insbesondere bewünscht wird ein Mann von musikalischer Bildung.
Wenn derselbe nicht zugleich Schochet ist oder sein will, so kann er durch
Musikunterricht bedeutenden Nebenverdienst sich erwerben. Zu wenden an
den
Vorstand der Israelitengemeinde zu Edenkoben (bayerische
Pfalz)." |
|
Anzeige
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 2. Juli 1861:
"Edenkoben (bayerische Pfalz), im Juni. Die hiesige Chasan-(Vorbeter-)
und Schochet-Stelle ist erledigt, und soll sofort besetzt werden.
Dieselbe gewährt ein Einkommen von 500 Gulden per Jahr. Bewerber, welche
hinreichende musikalische Kenntnisse besitzen, um einen Chor einzuüben,
belieben sich zu wenden an
Wolf Isaac, Synagogen-Vorstand." |
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Anzeige in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums"
vom 4. April 1865: "Vakanz.
Die vereinigte Lehrer- und Kantor-Stelle ist zu besetzen. Gehalt 800
fl.
Bewerber mit entsprechender Lehrkraft und musikalischer Fähigkeit wollen
sich innerhalb 3 Wochen wenden an Wolf Isaak,
Synagogen-Vorstand.
Edenkoben (Pfalz), den 22. März 1865."
|
|
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit"
vom 30. Dezember 1902: "Vakanz
in Edenkoben, Rheinpfalz ist die Stellung eines Hilfskantors,
Schächters und Synagogendieners zu vergeben. Mindest-Einkommen Mark
1100. Offerten mit allen bezüglichen Aufschlüssen und Zeugnisabschriften
zu richten an
Leo Kern, Fabrikant
in Edenkoben." |
|
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 17. Februar 1921:
"Seminaristisch gebildeter Lehrer und Kantor zum baldigen
Eintritt gesucht. Gehalt 8.000 Mark und freie 4-Zimmer-Wohnung mit
Zubehör. Zuzug gestattet. Nebenverdienst durch Religionsunterricht in
Volks- und höheren Schulen etc. Selbstgeschriebene Offerten mit
Lebenslauf, Altersangabe, seitheriger Tätigkeit und Photographie erben an
den Vorstand des
Synagogenrats Edenkoben, Rheinpfalz." |
|
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 14. Dezember 1922:
"Für 1. März 1923 suchen wir einen seminaristisch gebildeten
tüchtigen Lehrer, Kantor und Schauchet. Schöne 5-Zimmerwohnung
vorhanden. Gehalt zeitgemäß nach Übereinkunft. Zuschreiten mit
Zeugnis-Abschriften und Bild sind zu richten an den
Synagogenvorstand Edenkoben (Pfalz) Julius Nachmann." |
25jähriges Amtsjubiläum von Lehrer Maier Elsasser (1855)
Maier Elsasser stammt aus Mußbach, hatte in
Kaiserslautern sein Lehrerexamen abgelegt und war - mit einer durch Krankheit
bedingten Unterbrechung in den 1840er-Jahren - bis 1865 Lehrer in Edenkoben. Er
war Autor von zwei in den jüdischen Schulen der Pfalz verbreiteten Bücher für
den Religionsunterricht: "Erster Unterricht in der israelitischen
Religion" und "Kurse biblische Geschichte von der Schöpfung bis zum
Sündenfall".
Artikel
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 27. August 1855:
"Landau, 5. August (1855). Gestern wurde in Edenkoben
das 25-jährige Amtsjubiläum des israelitischen Lehrers Maier Elsasser
daselbst gefeiert. Schon der Festzug, der in der Synagoge, wo die
Feier stattfand - der Gottesdienst war bereits früher abgehalten worden -
sich bewegte, bezeugte die freudige Teilnahme, die alle erfüllte. Voran
die Schuljugend, Blumengirlanden und Laubgewinde tragend, sodann der
Bezirksrabbiner Dr. Grünebaum von hier mit den protestantischen
Geistlichen (der ebenfalls geladene katholische Geistliche war zu der
Feier nicht erschienen), der Bürgermeister mit den städtischen
Behörden, die Professoren der lateinischen Schule, die Lehrer sämtlicher
anderer Schulen, der Kultusvorstand und die Gemeinde, sowie andere
Schüler und Verehrer des Jubilars. In der Synagoge angekommen, wurde der
Jubilar von dem aus den ältesten anwesenden Schülern gebildeten Komitee
aus seiner im Synagogengebäude befindlichen Wohnung abgeholt, und es
hielt darauf zuerst der wackere Vorstand, Herr Wolf Isaak, in seiner
Eigenschaft als ältester anwesender Schüler, der, wie er sich
ausdrückte, 'zuerst hier den Segen des Unterrichts dieses Lehrers aus der
Schule mit in das Leben genommen', eine warme Ansprache in beredtem, tief
gefühltem Vortrage an den Jubilar und übergab ihm die auf einem
Tischchen vor der heiligen Lade ausgebreiteten Geschenke, bestehend aus
zwei bayerischen Staatsobligationen, einem herrlich gearbeiteten großen
silbernen Pokal, und einem Dutzend silberner Löffel, im Namen seiner
Schüler und Verehrer. Der Rabbiner richtete im Namen der Gemeinde
Glückwunsch und Dank an den Gefeierten. Gottesdienst mit Predigt und
Festtafel folgten." |
Die israelitische Lehrerstelle wird nach dem Tod von
Lehrer Weil in eine Verweserstelle
umgewandelt (1908)
Der in dem Abschnitt genannte Lehrer Josef Weil war von 1889 bis zu
seinem Tod 1907 Lehrer in Edenkoben.
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 18. Juni 1908: "Kaiserslautern,
29. Mai (1908). Die freie Vereinigung israelitischer Lehrer und Kantoren
der Pfalz hielt gestern hier im Lokale der Julius Plotke-Loge ihre
Jahresversammlung ab. Der Vorsitzende Lehrer Waldbott in
Speyer eröffnete
die Versammlung, die von etwa 30 Mitgliedern besucht war, mit Dankesworten
an die Verwaltung der Loge für die Überlassung ihres Lokales zur
Abhaltung der Versammlung, begrüßte alsdann die anwesenden Vertreter der
Loge, sowie der israelitischen Kultusgemeinde
Kaiserslautern, welche durch
den Bezirksrabbiner Dr. Landsberg und ein Vorstandsmitglied vertreten war.
Das Andenken der im Laufe des Vereinsjahres verstorbenen Kollegen Eigner -
Oberlustadt und Weil - Edenkoben
ehrten die Anwesenden durch Erheben von den Sitzen. Rechtsanwalt Dr.
Rheinheimer begrüßte hierauf die Versammlung im Namen der Julius
Plotke-Loge, Bezirksrabbiner Dr. Landsberg namens der Israeliten-Gemeinde.
Der Jahresbericht der Vorsitzenden erwähnte zunächst die Umwandlung der
israelitischen Lehrerstelle in Edenkoben in eine Verweserstelle,
was weder den Interessen noch den Erwartungen der israelitischen Lehrer
der Pfalz entspreche. Die Erhaltung der israelitischen Lehrerstelle in Haßloch
sei durch große Opfer der dortigen Synagogengemeinde erfreulicherweise
gesichert. Dagegen harren die Verhältnisse in Kaiserslautern noch immer
der definitiven Entscheidung..." |
Lehrer David Bär und seine Frau verlassen
Edenkoben (1938)
Artikel in "Jüdisches Gemeindeblatt für das Gebiet der
Rheinpfalz" vom 1. März 1938: "Edenkoben. D. Bär und Frau,
sagen allen Freunden und Bekannten nur auf diesem Wege ein herzliches
Lebewohl. Von seinen ehemaligen Schülern insbesondere verabschiedet sich Lehrer
Bär mit den besten Wünschen für die Zukunft." |
|
Artikel in "Jüdisches Gemeindeblatt für das Gebiet der
Rheinpfalz" vom 1. April 1938: "Freie Vereinigung
israelitischer Lehrer und Kantoren der Pfalz. Abschied von Herrn Lehrer
Bär - Edenkoben. David Bär, seit 1920 ununterbrochen im Dienste,
wirkte in der Pfalz zum Wohle seiner Gemeinden von 1927 bis 1929 in Kirchheimbolanden
und von 1929 bis heute in Edenkoben hauptamtlich als
Religionslehrer und Kantor. Außerdem erteilte er in vielen kleinen
Gemeinden den Religionsunterricht. Er ging stets diensteifrig und
beflissen seinem Berufe nach ohne in seiner Bescheidenheit Ansprach auf
öffentliche Anerkennung zu erheben. Nun verlässt dieser allseits
beliebte Kollege die Stätten seiner Tätigkeit.
Wir können zum Abschied unserer beiden Kollegen Schottland (siehe Frankenthal)
und Bär keinen besseren Wunsch zurufen als: (hebräisch und deutsch:) Gesegnet
seid Ihr bei Euerem Auszuge und gesegnet seid Ihr bei Euerem Einzuge." |
Lehrer Benno Kesstecher wird Nachfolger für Lehrer
Bär (1938)
Anmerkung: Benno Kesstecher ist nach dem Novemberpogrom 1938 am 30. November
1938 über Köln nach Belgien geflohen. 1944 wurde er ins KZ Neuengamme
deportiert, wo er im April 1945 - wahrscheinlich bei der Auflösung des Lagers
durch die Nationalsozialisten - ermordet wurde. Für Benno Kesstecher wurde in
Hamburg ein "Stolpersteine" im Grindelhof 30 (TTS) (Elmsbüttel,
Rotherbaum) verlegt (Erinnerung an die Opfer aus der Talmud-Tora-Realschule
Hamburg:). http://www.stolpersteine-hamburg.de/index.php?MAIN_ID=7&BIO_ID=1815
mit Link zu einer Dokumentation (pdf-Datei).
Artikel in "Jüdisches Gemeindeblatt für das Gebiet der
Rheinpfalz" vom 1. Mai 1938: "Einsetzung eines neuen Lehrers
für die Gemeinde Edenkoben und für die Nordpfalz.
Mit dem 1. Mai 1938 tritt Herr Lehrer Benno Kesstecher aus Köln / Rhein
sein Amt als Lehrer und Kantor der israelitischen Kultusgemeinde Edenkoben
und als Religionslehrer für die israelitischen Kultusgemeinden der
Nordplatz an. Herr Lehrer Kesstecher wurde am 20. März 1917 zu Köln
geboren, besuchte das Reformgymnasium 'Jawne' in Köln bis zur Unterprima,
trat im gleichen Jahre in die Talmud-Tora-Oberrealschule in Hamburg ein,
die er im März 136 mit dem Zeugnis der Hochschulereife verließ. Von 1936
bis 1938 besuchte der die Israelitische
Lehrerbildungsanstalt in Würzburg, die er in diesem Jahre
absolvierte.
Herr Lehrer Kesstecher veröffentlichte in verschiedenen jüdischen
Zeitungen Aufsätze und literarische Beiträge. Im März 1938 erschien im
Joachim Goldstein-Verlag seine Gedichtsammlung: Die
Wunderleiter."
Aus Edenkoben. Am 1. Mai tritt Herr Benno Kesstecher sein
Amt als Lehrer und Kantor in unserer Gemeinde an. |
|
Abbildung
links aus: "Fotos zum Film: Die vergessenen Kinder von
Köln" http://www.koeln-im-film.de/filmdb/holefotocredit2.php?was=6466
Ein Pass von Benno Kesstecher. |
Vorstellung einer Gedichtsammlung von Lehrer Benno
Kesstecher (1938)
Artikel in "Jüdisches Gemeindeblatt für das Gebiet der
Rheinpfalz" vom 1. August 1938: "Benno Kesstecher,
Die Wunderleiter (Gedichte), Joachim Goldstein-Verlag, Berlin
1938.
Diese kleine Gedichtsammlung des Lehrers der israelitischen Kultusgemeinde
Edenkoben/Pfalz stellt einen beachtenswerten Versuch dar, jüdische
Stoffe in poetische Form zu gießen. Eines kann man sagen, dass die
Empfindungen echt und erlebt sich und darum auch den Leser der Gedichte
ansprechen und ihm etwas zu sagen wissen. Freilich bedürfen noch einige
Gedichte der Form nach des Schliffes, die restlose künstlerische Formung
einzelner Gedichte ist noch nicht bis zu letzten Möglichkeit
ausgeschöpft. Dies mag vielleicht auch der Grund sein, weshalb diese
kleine Gedichtsammlung nicht überall ungeteilten Beifall gefunden hat.
Aber abschließend sei doch so viel darüber gesagt, dass Kesstecher
zweifellos die wesentlichen Voraussetzungen für künstlerische Gestaltung
mitbringt, nämlich die künstlerische Schau und gute Anlagen für eine
künstlerische Gestaltung. Wir wollen hoffen, dass Kesstecher, der die
Wunderleiter der Poesie erklimmen will und bereits einige Sprossen dieses
mühseligen Weges erklommen hat, die Kraft aufbringt, durch Selbstarbeit
zu einer hohen Vollendung seiner Fähigkeiten zu
gelangen." |
Aus dem jüdischen Gemeindeleben
Übertritt einer christlichen Frau zum Judentum (1862)
Anmerkung: der Artikel erschien als erster in einer Ausgabe der "Neustadter
Zeitung".
Artikel
in der "Neustadter Zeitung" vom 1. März 1862: "Edenkoben,
26. Februar (1862). Heute wurde in der hiesigen Synagoge ein bei uns sehr
seltener Akt vollzogen, nämlich der Übertritt einer Christin zum
Judentum". |
Antisemitisches Verhalten einer nichtjüdischen Firma in Edenkoben (1929)
Artikel
in der Zeitung des "Central-Vereins" (CV-Zeitung) vom 25. April
1929: "Nach Edenkoben. Die Nachricht, dass die Firma Georg
Orth, Emaillierwerk in Edenkoben, an einem ihrer Kunden geschrieben hat:
'Wir kauften unsere Bleche bisher von einer christlichen Firma und werden
uns hüten, von unserem Prinzip noch einmal abzugehen', haben wir mit
Interesse gelesen." |
Hoschano-rabboh-Lernen und Kinderfeier zu Simchas Tora
mit Lehrer David Bär (1937)
Artikel in "Jüdisches Gemeindeblatt für das Gebiet der
Rheinpfalz" vom 6. Oktober 1937: "Edenkoben.
Ein von Herrn Lehrer Bär ins Leben gerufenes und geleitetes
Hoschano-rabboh-Lernen fand am Samstag, den 25. September abends 8 Uhr
statt. Die Beteiligung war wider Erwarten sehr groß und der hierfür sehr
geeignete Schulsaal war restlos besetzt. Nach Abschluss des ersten Teiles
der Psalmen stellten sich sogar die Damen ein. Alles folgte dem
ausführlichen Vortrag von Herrn Lehrer Bär über das Kaddischgebet mit
größter Aufmerksamkeit. Zum Abschluss dieses Vortrages sprachen die Owelim
(Trauernden) das Lern-Kaddisch, worauf der zweite Teil der Psalmen
rezitiert wurde. Hieran schloss sich ein gemütliches Beisammensein, das
sich sehr lange ausdehnte. Für Speise und Trank war aufs beste gesorgt,
und an dieser Stelle sei herzlicher Dank den edlen Spendern ausgesprochen.
Die Ehre des Benschens wurde an den Meistbietenden versteigert; diese
Summe und der Überschuss aus den Kosten dieses Abends wurden zu einem
Fond für die jüdische Winterhilfe bestimmt.
Diese Veranstaltung zeigt wieder, dass auch in den Kleingemeinden bei
gutem Willen etwas geleistet werden kann, und beweist, dass auch im
engsten Kreis der jüdischen Gemeinschaft noch fruchtbares jüdisches
Leben zu pulsieren vermag.
Wie alljährlich so fand auch in diesem Jahr an Simchas Thorah unsere
Kinderfeier statt, Trotz der geringen Kinderzahl verlief die Feier dennoch
sehr erhebend und schön. In der von Kinderhand in Form einer Sukkoh
geschmückten Synagoge erfuhren die Kinder durch dien Ansprache des
Lehrers wieder einmal den Sinn und Zweck des Festes. Traditionsgemäß
erhielten die Kinder ihre sehnsüchtig erwarteten Tüten nebst Beilage und
einer wertvollen Sonderzulage eines Kinderfreundes. D.B."
|
Berichte zu einzelnen Personen
aus der Gemeinde
Zum Tod von Mathilde Bloch (1863)
Artikel
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 9. Juni 1863:
"Edenkoben (Rheinbayern), im Mai (Courr. du Bas-Rhin). Ein
junges Mädchen von zwanzig Jahren, israelitischer Konfession, Mathilde
Bloch, war zu Edenkoben am Vorabend ihrer Hochzeit gestorben. Der Vater
ist ein Geschäftsmann, der die allgemeine Achtung genießt; auch hat man
den größten teil der Bevölkerung sich dem Leichenbegängnisse
anschließen sehen. Die Glocken der protestantischen Kirche läuteten,
während der Zug in Bewegung war und die beiden protestantischen und der
katholische Pfarrer folgten dem Sarge mit dem Rabbiner, der eine Rede am
Grabe gehalten." |
|
Artikel
in der Zeitschrift "Jeschurun" vom 9. Juli 1863: "Edenkoben.
Vor kurzem ereignete sich hier ein seltenes Beispiel der Toleranz; das
umso mehr auch in weitern Kreisen bekannt zu werden verdient. Es starb
hier nämlich ein junges Mädchen Mathilde Bloch in der Blüte
ihrer Jugend, 20 Jahre alt, am Abend vor ihrem Hochzeitstage. Der Fall
erregte umso mehr die allgemeine Teilnahme der Bevölkerung, als das junge
Mädchen allgemein beliebt, und ihr Vater in kommerziellen Kreisen sich
der unbedingtesten Achtung erfreut. Recht deutlich zeigte sich hier, wie
die verschiedenen Konfessionen, wenn sie nur die rein menschlichen
Tugenden gegenseitig anerkennen wollen, friedlich nebeneinander leben und
an allem Wohl und Weh des Lebens teilnehmen können. Die Beteiligung bei
dem Leichenbegängnis der jungen Jüdin war eine außerordentliche, ein
großer Teil der Bevölkerung war herbeigeeilt der Toten die letzte Ehre,
den unglücklichen Eltern ihre Teilnahme zu beweisen. Die Glocken der
protestantischen Kirche läuteten während des Leichenzuges; die zwei
protestantischen Pfarrer und der katholische Geistliche folgten mit dem
Rabbiner der Bahre. Es zeigte sich wie gesagt das herzlichste Einvernehmen
der beiden christlichen Konfessionen mit den Juden, und allgemein freute
man sich, als man die Vertreter der drei Kulten friedlich nebeneinander
herschreiten sah, um einem Mitmenschen die letzte Pflicht auf Erden zu
erweisen. Möge in immer weiteren Kreisen der religiöse Hass und
Fanatismus sein Ende finden, und möge man endlich einsehen, dass die
wahre Religion nicht im Anfeinden Andersdenkender
bestehe." |
Herausgabe eines Journals für Sprachunterricht
durch Emil Sommer in Edenkoben (1882)
Anzeige
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 12. September
1889: "L'interprète, französisches Journal für Deutsch - The
Interpreter, englisches Journal für Deutsche - L'Interprete,
italienisches Journal für Deutsche
mit erläuternden Anmerkungen, alphabetischem Vocabulaire und
vervollkommneter Aussprachebezeichnung des Englischen und Italienischen.
Herausgegeben und redigiert von Emil Sommer.
Vorzüglichste und wirksamste Hilfsmittel bei Erlernung obiger drei
Sprachen, namentlich für das Selbststudium und bei Vorbereitung
auf Examina (Einjährig-Freiwillige), zugleich anziehenste und
erfolgreichste französische, englische und italienische Lektüre zur
Übung und Unterhaltung, durch die besondere Einrichtung dieser Journale
schon bei den bescheidensten Kenntnissen in erspriesslichster Weise
verwendbar. - Wöchentlich eine Nummer . - Quartalpreis 1 M. 75 Pf. -
Probenummern gratis - Inserate (à 25 Pf. die 4-spaltige Petitzeile) von
erfolgreichster Wirkung.
Edenkoben, in der bayerischen Rheinpfalz. Die Direktion." |
|
Anzeige in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums"
vom 8. Januar 1884:
Zum Lesen bitte Textabbildung anklicken. |
Firma Em. Kern ausgezeichnet (1885)
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit"
vom 8. September 1885: "Edenkoben. Der bekannte
Großindustrielle Herrn Em. Kern, Fabrik chemische Branche in Edenkoben
(Rheinbayern), ist von der Weltausstellung in Antwerpen mit der broncenen
Medaille ausgezeichnet worden." |
75. Geburtstag von Hermann Mayer (1937)
Artikel in "Jüdisches Gemeindeblatt für das Gebiet der
Rheinpfalz" vom 1. November 1937: "Edenkoben. Am 1.
November begeht Herr Hermann Mayer seinen 75. Geburtstag. Der
Jubilar erfreut sich einer schönen Rüstigkeit und wir wünschen ihm noch
viele Jahre des Lebens in Gesundheit und Frische. (Alles Gute) bis 120
Jahre." |
Karl Lipold und seine Frau Mathilde geb. Neu verabschieden
sich vor der Auswanderung (1938)
Artikel in "Jüdisches Gemeindeblatt für das Gebiet der
Rheinpfalz" vom 1. September 1938: "Aus Edenkoben. Herr Karl
Lipold und seine Frau Mathilde geb. Neu, verlassen Anfangs September
ihre Heimat, um nach Louisville (Kentucky) (USA) auszuwandern und
verschieden sich hiermit von ihren Freunden und Bekannten." |
Anzeigen
jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen
Anzeigen der Weinhandlung von Simon Löb (1898 / 1899 /
1901 / 1904 / 1915)
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom
29. September 1898: "Koscher Weißwein, eigenes Wachstum,
Liter 35-60 Pf., Nachnahme oder Referenz. Fässer leihweise, frei
zurück. Station angeben. Simon Löb, Edenkoben,
Rhein-Pfalz." |
|
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom
12. September 1899: "Koscher Weißwein, eigenes Wachstum,
Liter 40-60 Pfg. Nachnahme oder Referenz. Fässer leihweise, 20 Liter an,
aber frei zurück. Station angeben.
Simon Löb, Edenkoben, Rheinpfalz." |
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Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom
28. November 1901: Koscher Weißwein, eigenes Wachstum,. per
Liter 40 bis 60 Pfennig Nachnahme o. Referenz. Fässer leihweise. Station
angeben. Simon Löb, Edenkoben, Rheinpfalz." |
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Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom
11. Februar 1904: "Koscher Weißwein, eigenes Wachstum,
per Liter 40, 50 u. 60 Pfennig. Nachnahme oder Referenz. Fässer von 20
Liter an leihweise, Station angeben.
Simon Löb, Edenkoben (Rheinpfalz)." |
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Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom
18. März 1915: "Koscher Weiß- und Rotwein per Liter
80, 90, 100 Pfennig Nachnahme oder Referenz. Fässer von 20 Liter an
leihweise. Station angeben.
Simon Löb, Weingutsbesitzer, Edenkoben,
Rheinpfalz." |
Lehrlingssuche der Weinhandlung von Levy Wolff (1891)
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom
16. März 1891: "Lehrlings-Stelle in einer Weinhandlung
gesucht für meinen Sohn, 15 Jahre alt, Kost, Logis und Aufsicht im Hause
erwünscht.
Offerten erbittet mit Bedingungen Levy Wolff, Edenkoben
(Rheinpfalz)." |
Anzeige aus Gleisweiler (bei Edenkoben berücksichtigen?)
. auffallend: Koschere Küche bei Dr. Schneider (1887)
Anmerkung: aus Wikipedia-Artikel zu Gleisweiler: "1844 wurde in Gleisweiler die erste Kaltwasserheilanstalt Deutschlands eröffnet. Das schlossartige klassizistische Klinikgebäude wurde nach Plänen des königlich-bayerischen Hofbaumeisters Leo von Klenze errichtet. Die Klinik in Gleisweiler war ein Privatunternehmen des Arztes Dr. Ludwig Schneider, der das Haus mehr als dreißig Jahre lang leitete. Eine Besonderheit ist die Walddusche, eine Quelle mit Sturzbach, die für Kuranwendungen genutzt wird. Das
'Cafe im Park' ist ein beliebtes Cafe für Wanderer und Patienten."
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom
29. August 1887: "Bad Gleisweiler (Pfalz).
Altbewährte Heilanstalt für Nerven- und Brustkranke, Bleichsüchtige, Blutarme,
Serosulöse, Rheumatiker etc.
Schönster Landaufenthalt für Luftfrischler. Koschere
Küche.
Dr. Schneider, praktischer Arzt." |
Zur Geschichte der Synagoge
1726 schlossen die jüdischen Familien in Edenkoben
einen Vertrag mit Baruch Isaac, "dass in seinem Hause in der Nähe der
'Pforte' ein Zimmer als Synagoge oder Schule eingerichtet und gebraucht werden
durfte'. 1769 gehörte das Haus mit dem Betsaal dem Aaron Isaac, dem
damaligen Vorsteher der jüdischen Gemeinde. Zwischen ihm und einigen
Gemeindemitgliedern war es in diesem Jahr zu einem Streit mit einigen
Gemeindemitgliedern gekommen. Der Streit führte dazu, dass Aaron Isaac den
Mietvertrag kündigte und sich die Gemeinde nach einem anderen Gottesdienstraum
umsehen musste.
1780 konnte die Gemeinde für 220 Gulden einen Bauplatz zum Neubau einer
Synagoge im Bereich der heutigen Bahnhofstraße 47-51 erwerben (Seitengasse,
heute 1. Mühlgasse). Im folgenden Jahr wurde die Synagoge eingerichtet. Sie befand sich im oberen Teil einer Scheune des Metzgers Samuel Löb. Der untere
Teil wurde von Samuel Löb als Scheune und Schlachthaus verwendet. 1824 war die Synagoge
nach der Beurteilung eines Maurer und eines Zimmermannes allerdings
einsturzgefährdet, nachdem das Holz verfault war und die beiden Wände durch
eiserne Stangen zusammengehalten werden mussten. Der Königliche Baukondukteur ordnete die Schließung der
Synagoge zum Dezember 1825 an. Inzwischen lagen die Pläne für einen
Synagogenneubau unmittelbar neben der alten Synagoge vor.
Mit dem Bau der neuen Synagoge wurde der Königliche Baukondukteur Marggraf beauftragt.
Erstellt wurde ein Gebäude im klassizistischen Stil. Die Baugenehmigung war im November
1826 erteilt worden:
Anzeige
im "Intelligenz-Blatt des Rheinkreises" vom 10. November 1826:
"...den 9. November 1826:
"Edenkoben. (Erbauung einer Synagoge). Durch Reskripte hoher
Regierung vom 14. Juli und 29. September laufenden Jahres ist die Erbauung
einer neuen Synagoge zu Edenkoben, nach dem Antrage der dortigen
Judengemeinde und unter Zugrundlegung der gefertigten Pläne und
Kostenüberschläge, genehmigt, und das unterfertigte Bürgermeisteramt
mit der Begebung an die Wenigstnehmenden der desfallsigen Bauarbeiten
beauftragt. Demgemäß schreitet dasselbe Montag den 20. nächstkommenden
Monats November, Vormittags um 9 Uhr, auf dem Stadthause zu Edenkoben, zur
teilweisen Minderversteigerung der sämtlichen im Kostenüberschlage
detaillierten Bauarbeiten, und setzt hiervon die zur Übernahme
lusttragende Handwerker in Kenntnis, bemerkt jedoch, dass Auswärtige nur
dann zur Konkurrenz zugelassen werden, wenn sie über Sachkenntnis und
Rechtlichkeit sich ausweisen.
Edenkoben, den 24ten Oktober 1826. Das Bürgermeisteramt Völcker."
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Anzeige
im "Intelligenz-Blatt des Rheinkreises" vom 7. Dezember 1826:
"den 7. Dezember 1826. Edenkoben (Erbauung einer neuen
Synagoge). In Gemäßheit des Erlasses des Königlichen Land Commissars
Landau vom 28ten vorigen Monats hat die in der Beylage zum
Intelligenzblatte Nro. 150 angezeigte, am 20ten letztverflossenen Monats
stattgehabte Minderversteigerung der Erbauung einer neuen Synagoge dahier,
nur für Maurer- und Steinhauer-Arbeit die höhere Genehmigung erhalten,
und demzufolge hat eine abermalige Versteigerung der Schreiner-Zimmer- und
Schlosserarbeiten stattzufinden.
Die Vornahme dieser zweiten Versteigerung wird durch das Bürgermeisteramt
auf Freitag, den 15. laufenden Monats, Vormittags 9 Uhr fixiert; wovon es
die zur Übernahme Lusttragenden in Kenntnis setzt.
Edenkoben, den 3ten Dezember 1826. Das Bürgermeisteramt. Völker." |
Am 19. September 1827
war die feierliche Einweihung der neuen Synagoge.
Die Edenkobener Gemeinde war sehr reformfreudig. Im Gottesdienst wurden deutsche Gebete
eingeführt. Nachdem bereits früh eine Orgel in der Synagoge eingebaut worden
war, ist diese 1862 durch ein Harmonium ersetzt worden (Preis 330
Gulden). In der Synagoge hatte es
zuletzt 60 Plätze für Männer und 35 oder 46 Plätze für Frauen.
In den Tagen nach dem Novemberpogrom 1938 wurde die Synagoge durch Männer des
Reichsarbeitsdienstes aus dem Lager Edesheim / Hainfeld gestürmt und verwüstet.
Wegen der engen Bebauung konnte das Gebäude nicht angezündet werden. In den
folgenden Tagen wurde das Gebäude durch den Reichsarbeitsdienst abgerissen. Zum Abbruch ließ man eine SA-Musikkapelle, die frühere Stadtkapelle
aufspielen. Die Inneneinrichtung, die Torarollen und andere Kultgegenstände wurden auf dem Marktplatz öffentlich verbrannt.
Das Harmonium hatte man dabei zunächst übersehen - es wurde wenige Tage
später demoliert.
Auf dem Synagogengrundstück blieben nur wenige Mauerreste erhalten. Das
Synagogengrundstück, das nach 1945 zusammen mit des rituellen Bad und
dem Schulhaus zunächst in den Besitz der Jüdischen Kultusgemeinde der Pfalz
gekommen ist, wurde von dieser Anfang der 1960er-Jahre an eine Edenkobener Familie verkauft. Die
ehemalige jüdische Schule wird seitdem als Wohnhaus verwendet. Auf dem
Synagogengrundstück befindet sich heute ein Garten und eine Garage mit
Parkplatz. Die erhaltenen Mauerreste der Synagoge lassen die Ausmaße des
Gebäudes noch erkennen. Über der früheren Mikwe (noch erhalten) wurde ein
Anbau zum Wohnhaus erstellt.
Presseartikel zur Geschichte der Synagoge
Artikel
von Dr. Meinhold Lurz: Edenkobener Reminiszenzen. Die Edenkobener
Synagogen.
Zum Lesen bitte Textabbildung anklicken. |
Adresse/Standort der Synagoge:
Bahnhofstraße 47 (ehemalige Judengasse)
Fotos
(Quelle: Landesamt s. Lit. S. 141-142; O. Weber s.Lit. - Foto der
Schule S. 66; F. Schmidt passim;
Farbfotos von März 2011 von Michael Ohmsen: hoch auflösende Fotos über
die Website
(Fotoseite) von Michael Ohmsen zu Edenkoben)
Innenaufnahme -
Blick zum Toraschrein |
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Die Synagoge ist zu
einem
Feiertag festlich geschmückt |
Blick auf den
Toraschrein mit
der Gedenktafel für die Gefallenen
des Ersten Weltkriege |
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Plan der
Inneneinrichtung von 1844 |
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Plan der Frauenempore
rechts und
links über dem Toraschrein |
Auf dem Plan ist
die Anordnung der Stühle in der Männersynagoge festgehalten.
Die
Sitzbänke verliefen entlang der Wände (rechts Ausschnittvergrößerungen
zum Lesen der Namen) |
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Das
Synagogengrundstück
in der Bahnhofstraße
im März 2011 |
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Erkennbar sind die
Reste der Umfassungsmauern und des Eingangsportals;
der Toraschrein befand sich mittig an der Mauer links. |
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Jüdisches Schulhaus - als
Wohnhaus verwendet (2000 / 2011) |
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Das ehemalige jüdische
Schulhaus
westlich des Synagogengrundstückes |
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Ehemalige jüdische Häuser |
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Das Haus Rhodter
Straße 5 mit hebräisch-deutscher Portalinschrift und Hinweistafel:
"Haus des Scherel Hertz. Ein interessantes Zeugnis für das einst
blühende jüdische Leben in Edenkoben ist die Inschrift des
Torbogen-Schlusssteins. Sie verweist auf den Erbauer Scherel Hertz. Die
hebräisch Inschrift bedeutet: 'Hertz, Sohn des Mosche, Jahr 400-100-9-6
(= 514 jüdischer Zeitrechnung; 1754/55 christlicher Zeitrechnung). Die
1827 errichtete 'neue Synagoge' wurde beim Pogrom im November 1938
verwüstet und anschließend abgerissen. Das 'Israelitische Schulhaus'
(Bahnhofstrasse 47) und Mauerreste des 'Frauen-Ritualbades' (am nahen
Mühlbach blieben erhalten; ebenso der Jüdische Friedhof (innerhalb des
Städt. Friedhofs von 1861) mit Grabsteinen u.a. der Familie Einstein,
Bloch, Frank, Loeb, Wolff und Weidenreich. Auch das Haus Rhodterstraße
Nr. 24 hatte jüdische Erbauer: Den Handelsmann Nestor Dreyfus und seine
Ehefrau Sara."
Siehe hierzu den Beitrag von Franz Schmidt: Eine jüdische Familie...
2004 s.Ltt. |
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Das Haus Rhodter
Straße 24 mit Hinweis auf den Erbauer:
Handelsmann Nestor Dreyfus und seine Ehefrau Sara. |
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Andernorts entdeckt |
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Grabstein für Dr. Isidor
Teutsch (praktischer Arzt in Edenkoben,
1853-1927) auf dem jüdischen
Friedhof in Venningen |
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Links und Literatur
Links:
Literatur:
| Franz Schmidt: Juden in Edenkoben. Spuren ihrer Geschichte.
1770-1942. (Hg. von der Sparkasse Südliche Weinstraße) Landau 1990. |
| ders.: Die Steine reden. Zeugnisse jüdischen Lebens im
Landkreis Südliche Weinstraße. Rhodt 1989. |
| ders.: Eine jüdische Familie im Edenkoben des 18.
Jahrhunderts. In: Pfälzisch-Rheinische Familienkunde. 53. Jahrgang 2004
Band XV Heft 9 S. 484-493. |
| ders.: Die Schönen auf der Empore. Einblicke in die
Lebenswelt jüdischer Frauen in der Südpfalz an der Schweller zur Moderne.
In: Mitteilungen des Historischen Vereins der Pfalz 107. Band. Speyer 2009
S. 123-164. |
| ders.: "...Eine Schwester, die in der Neustatt ohnfern
Landau, im Elsass wohnet". Joseph Süß Oppenheimers Edenkobener
'Mischpoche'. In: Pfälzisch-Rheinische Familienkunde. 59. Jahrgang
2010 Band XVII Heft 3 S. 152-164. |
| Alfred Hans Kuby (Hrsg.): Pfälzisches Judentum
gestern und heute. Beiträge zur Regionalgeschichte des 19. und 20.
Jahrhunderts. 1992. |
| Otmar Weber: Die Synagogen in der Pfalz von 1800 bis heute. Unter
besonderer Berücksichtigung der Synagogen in der Südpfalz. Hg. von der
Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Pfalz in Landau. 2005.
S. 84 (mit weiteren Literaturangaben). |
| Landesamt für Denkmalpflege Rheinland-Pfalz/Staatliches Konservatoramt
des Saarlandes/ Synagogue Memorial Jerusalem (Hg.): "...und dies
ist die Pforte des Himmels". Synagogen in Rheinland-Pfalz und dem
Saarland. Mainz 2005. S. 141-143 (mit weiteren Literaturangaben).
|
Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the
Holocaust".
First published in 2001 by NEW
YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad
Vashem Jerusalem, Israel.
Edenkoben Palatinate. Jews
were continously present in Edenkoben from at least 1660. A synagogue was
erected in 1780-81; a new one was consecrated in 1827; and a Jewish school
operated from 1830 to the Weimar years. The congregation was one of the first to
reveal clear-cut Reform tendencies, introducing German-language prayers and an
organ into the synagogue. The Jewish population reached a peak of 190 in 1847,
declining to 120 (total 5.232) in 1900. In June 1933, about four months after
the Nazi rise to power, the Jewish population numbered 66. With the Nazis
receiving over 50 % of the vote in the 1932 elections, official antisemitism was
enthusiastically augmented by partisan violence against the Jews. As part of the
anti-Jewish boycott, eight Jewish wine merchants were banned from the trade and
business contacts with Jews were severely circumscribed. Twelve Jews left the
town by February 1935. In 1937-39, 20 left for the United States. On Kristallnacht
(9-10 November 1938), the windows of Jewish homes and stores were smashed and
all Jewish men arrested. Subsequently the electricity and water to Jewish homes
were cut off and women and children warned not to leave their houses. On 22
October 1940, 14 of the last 16 Jews in Edenkoben were deported to the Gurs
concentration camp. Some of these were sent afterwards to camps in the east
where they perished.
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